Möchten Unternehmen das Risiko minimieren, in eine ihre Existenz bedrohende Krise zu geraten, sollten sie auf die Expertise des Controllings nicht verzichten. Es hilft ihnen dabei, das Unternehmen krisenfest aufzustellen, Krisensymptome frühzeitig zu identifizieren und rechtzeitig präventive Maßnahmen anzustoßen.
Auch abseits akuter Krisen tun Unternehmen gut daran, in mehr Krisenresistenz zu investieren. Das Controlling kann wesentlich dazu beitragen, die Strategie und Steuerung eines Unternehmens so aufzustellen, dass es eine existenzbedrohende Krise vermeiden beziehungsweise möglichst frühzeitig auf Krisensymptome reagieren und diese abmildern kann. Eine Unternehmenskrise unterteilt sich aus betriebswirtschaftlicher Perspektive in verschiedene Phasen: die strategische Krise, die Erfolgskrise, die Liquiditätskrise und schließlich die Insolvenz.
Krisenprävention
Oberstes Ziel eines Unternehmens sollte es sein, nicht erst in eine akute Krise zu kommen. Dazu muss es zum einen sein Geschäftsmodell möglichst krisenresistent gestalten. Zum anderen sollte es über ein fundiertes integriertes Unternehmenssteuerungssystem verfügen, das beispielsweise eine Planung in Szenarien zulässt, um Entwicklungen, welche zu einer Krise führen könnten, frühzeitig und unter Umständen bereits antizipativ erkennen zu können. Flankierend spielt auch die Unternehmenskultur eine wichtige Rolle für die Krisenresilienz.
Geschäftsmodell krisenresistent gestalten
Zu der wesentlichen Aufgabenstellung des strategischen Controllings gehört die Prämissenkontrolle, in der die für die Unternehmensstrategie wesentlichen Variablen bezüglich der Makro- und der Branchenumwelt des Unternehmens überprüft, hinterfragt und bewertet werden. In der Verantwortung des Controllings liegt es, die festgelegten Prämissen regelmäßig zu hinterfragen und auf ihre Implikationen für das Geschäftsmodell hin zu bewerten. Eine bewährte Systematik ist die Unterteilung der strategischen Analyse in die drei Dimensionen Markt, Wertschöpfung und Finanzen.
Markt
Die marktgerichtete Analyse (potenzieller) strategischer Krisenfaktoren kann anhand der Kriterien Leistungsangebot, Kunden und Märkte/Wettbewerb erfolgen. Gefragt wird beispielsweise nach der künftigen Relevanz der Produkte/Leistungen des Unternehmens: Werden diese in Zukunft noch benötigt und im Markt nachgefragt werden?
Wertschöpfung
Die Analyse der Dimension Wertschöpfung befasst sich mit der Wertschöpfungskette des Unternehmens. Im Fokus stehen Prozesse/Abläufe, die Aufbauorganisation, die Ressourcen sowie Kooperationen mit anderen Unternehmen.
Finanzen
In der Dimension Finanzen werden Rentabilität, Ertragsmechanik, Cashflow und adäquate Finanzierungsstruktur analysiert. Zusätzlich werden die Implikationen der Felder Markt und Wertschöpfung auf diese Dimension untersucht.
Integrierte Unternehmenssteuerung etablieren
Ein weiterer Ansatzpunkt des Controllings zur Krisenprävention ist der Aufbau eines „Navigationssystems“ und dessen konsequente Nutzung. Dieses stellt Steuerungsinformationen empfängerorientiert zur Verfügung und ermöglicht damit auch eine mehrdimensional integrierte Unternehmenssteuerung sowie Planungsszenarien.
Empfängerorientierte Steuerungsinformationen
Das Navigationssystem sollte je nach Hierarchieebene und Verantwortungsbereich der jeweiligen Verantwortlichen unterschiedlich gestaltet sein und empfängerorientiert jedem Verantwortlichen die für ihn steuerungsrelevanten Kennzahlen transparent zur Verfügung stellen. Wesentlich ist, dass die zugrunde liegenden Basisdaten valide sind und in der Gruppierungsebene der zentralen Steuerungsgrößen je Kennzahl eindeutig sind – ein Single Point of Truth für alle Daten und Empfänger.
Integriertes Steuerungssystem
Für eine effektive und effiziente Unternehmenssteuerung bedarf es eines in mehreren Dimensionen integrierten Steuerungssystems. Zum einen müssen die beiden fundamentalen Regelkreise der strategischen Unternehmenssteuerung und der operativen Steuerung des Tagesgeschäfts miteinander verzahnt werden (vertikale Integration). Zum anderen müssen die steuerungsrelevanten monetären und nichtmonetären KPIs kontextbezogen zusammengeführt werden (horizontale Integration).
Mehrschichtige Planungslogik und Szenarien
Ein die „Mechanik des Geschäftsmodells“ abbildendes Navigationssystem bietet neben der Möglichkeit der Unternehmenssteuerung im „Business as usual“ auch die Möglichkeit, strategische Maßnahmen in einer separaten Planungsschicht hinsichtlich deren Effekte auf GuV, Bilanz und Cashflow zu planen. Ergänzend bietet diese Planungslogik die Möglichkeit, bestimmte Entwicklungen durch Änderung der Planungsprämissen in Szenarien zu simulieren.
Schlussbetrachtung
Die präventive Vermeidung von existenzbedrohenden Unternehmenskrisen ist eine anspruchsvolle Aufgabe für die Unternehmensführung. Je früher und ganzheitlicher die Krisenfrüherkennung erfolgt, umso wirkungsvoller und „minimalinvasiver“ können notwendige Maßnahmen zur Krisenvermeidung eingesteuert werden. Wesentlich ist eine sowohl funktionsbereichs- als auch hierarchieübergreifende offene Kommunikation, eine interdisziplinäre Zusammenarbeit, Veränderungsbereitschaft sowie durchgängige Disziplin in der Umsetzung von Maßnahmen.
